Inhalt

Fortschreibung des Märkte- und Zentrenkonzeptes

Das Märkte- und Zentrenkonzept 2010 zum Herunterladen

Ausgangssituation

Pforzheim besitzt traditionell eine hohe Bedeutung als Einkaufsstadt und erfüllt örtlich und regional eine zentrale Versorgungsfunktion. Durch die Lage Pforzheims zwischen den beiden Oberzentren Stuttgart und Karlsruhe, sowie diversen umliegenden Mittelzentren, ist sie einer zunehmenden Städtekonkurrenz um Besucher und potenzielle Kunden und Gästen ausgesetzt.

Darüber hinaus unterliegt der Einzelhandel seit Jahren einem enormen Strukturwandel, der zum einen durch die Unternehmensaktivitäten bundes- oder europaweit tätiger Filialisten bestimmt wird und zum anderen durch eine Neuorientierung des Kundenverhaltens. So entstanden auch in Pforzheim autokundenorientierte Verbrauchermärkte in dezentraler bzw. Stadtrandlage. In der Innenstadt prägen, wie in anderen Großstädten auch, mehr und mehr uniforme Handelsketten das Bild. Einerseits herrscht ein hoher Investitionsdruck in den dezentralen Lagen, andererseits drohen Bedeutungs- und Attraktivitätsverluste in der Einkaufsinnenstadt und eine Gefährdung der Nahversorgungsstandorte, insbesondere auch in den Ortsteilen.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt dieses Wandels bestand und besteht in einem permanenten Wachstum der Verkaufsflächengrößen und in der Etablierung neuer Vertriebsformen. Diese bundesweit geltenden Trends haben zur Folge, dass sich die etablierten Einkaufsstandorte in den zentralen Lagen - Innenstadt, Stadtteil- und Ortsteilzentren - verändern. Diese allgemeinen Entwicklungstrends führen zu einer Reihe von Herausforderungen:

  • Die etablierten Geschäftslagen der Innenstadt und der Stadtteilzentren verlieren wichtige Anbieter, zum Teil auch solche mit Magnetfunktion, insbesondere im Lebensmittelbereich.
  • Der autoorientierte Einkaufsverkehr nimmt zu; statt zu Fuß oder mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln, können Einkäufe nur noch mit dem Auto erledigt werden, was gerade für eingeschränkt mobile Menschen erhebliche Nachteile hat.
  • Die Attraktivität einzelner zentraler Lagen nimmt ab, entweder durch eine Verlagerung wichtiger Magnetbetriebe oder den Verlust spezifischer Spezialitätenangebote durch die steigende Filialisierung.
  • Zunehmende Uniformierung durch Filialisten und große Handelsketten machen die Innenstädte austauschbar. Darum muss ein unverwechselbarer Mehrwert für den Besuch einer spezifischen Stadt geschaffen werden.
  • Teilweise verfestigen sich Leerstände, die auf eine erschwerte Wiedervermietbarkeit schließen lassen und die Investitionsbereitschaft der Immobilieneigentümer hemmen können.

Um den Einzelhandelsstandort Pforzheim insgesamt in all seinen Facetten v.a. auch im Hinblick auf die Wettbewerbssituation gegenüber den konkurrierenden Städten zu stabilisieren und weiter auszubauen, wurde bereits im Jahr 2005 erstmalig ein Märkte- und Zentrenkonzept für Pforzheim erstellt. Dieses hat nun eine Fortschreibung erfahren.

Ziele

Die Attraktivität und die Qualität eines Zentrums gründet sich auf einer möglichst großen Vielzahl unterschiedlicher Einzelhandelsangebote, Dienstleistungen, Gastronomiebetrieben, Freizeitmöglichkeiten und kulturellen oder administrativen Einrichtungen in Verbindung mit einer besonderen stadträumlichen Identität. Für die Pforzheimer Innenstadt kommen noch die zahlreichen oberzentralen Angebote wie die Hochschule, die öffentlichen Verwaltungen, die medizinische Versorgung sowie kulturelle Angebote wie das Stadttheater Pforzheim, das Kulturhaus Osterfeld oder das CongressCentrum Pforzheim hinzu.

Lebendige Stadtzentren sind nicht nur Orte für das Einkaufen, für den Besuch von Banken, Behörden oder sonstigen Dienstleistungen, sondern auf Grund ihrer Angebotsvielfalt auch als Wohnort überaus attraktiv. Darüber hinaus sind Innenstädte zentrale Orte der Begegnung und der sozialen Kontakte zwischen Bürgerinnen und Bürgern. Aus diesem Grund müssen die integrierten Lagen in ihrer Funktion als lebendige Kernräume der Versorgung mit Einzelhandels-, Dienstleistungs-, Gastronomie-, Freizeit-, Kulturangeboten und Wohnraum nicht nur erhalten bleiben, sondern sie müssen sich auch künftig weiter entwickeln können.

Darauf aufbauend verfolgt die Fortschreibung des Märkte- und Zentrenkonzeptes primär folgende Ziele:

  • Stärkung Pforzheims insgesamt als traditioneller Einzelhandelsstandort
  • Sicherung und Stärkung des (Einzelhandels) Standortes Pforzheimer Innenstadt
  • Aussagen zum Umgang mit Einzelhandelsansiedlungen außerhalb integrierter Standorte

Dabei beruht die Attraktivität des Pforzheimer Einzelhandels auf drei Säulen:

  • Die Innenstadt als zentraler und urbaner Einzelhandelsschwerpunkt.
  • Ergänzungsstandorte (nicht zentrenrelevante Sortimente) in dezentraler Lage oder am Stadtrand (Bestandsschutz bereits vorhandener Betriebe).
  • Gewährleistung der Nahversorgung innerhalb der Wohngebiete und in den Stadtteilen.

Die vorhandene Einzelhandelsstruktur Pforzheims ist geprägt von einer Funktionsteilung zwischen der Innenstadt und dem Einzelhandel in dezentraler bzw. Stadtrandlage. Viele der Einzelhandelsbetriebe in dezentraler Lage (z.B. Wilferdinger Höhe) übernehmen übergemeindliche Versorgungsfunktion und stärken Pforzheim damit im regionalen Wettbewerb. Häufig weisen diese Betriebe Standortanforderungen hinsichtlich Flächenbedarf und Warentransport auf, die in zentralen Innenstadtlagen nicht erfüllt werden können. Standortvorteile wie gute Erreichbarkeit (Bundesstraßen, Autobahnanschlüsse, etc.), kostenlose Parkplätze und marktgerechte Immobilien führen zu einem Standortvorteil dieser nicht integrierten Lagen.

Konkurrenz, bis hin zum Verdrängungswettbewerb, mit der Innenstadt ergibt sich dann, wenn es um sogenannte innenstadtrelevante Sortimente geht. Diese sind nämlich in hohem Maß für die Attraktivität und das Einkaufserlebnis in der Innenstadt verantwortlich. Standorte in den Stadtteilen übernehmen wichtige Versorgungsfunktionen für die Bevölkerung im Standortumfeld. Eine ganzheitliche Konzeption für den Einzelhandelsstandort Pforzheim muss daher allen drei Bausteinen Rechnung tragen.

Daraus ergeben sich weitere Ziele im Einzelnen:

  • Steigerung der Attraktivität der Innenstadt als zentraler und urbaner Einzelhandelsschwerpunkt.
  • Konzentration der Ansiedlung innenstadtrelevanter Sortimente auf die Innenstadt.
  • Ansiedlung nicht innenstadtrelevanter Sortimente an Ergänzungsstandorten in dezentraler Lage / Stadtrandlage.
  • Erhalt und Stärkung der Nahversorgung.

Grundlagen

Die Fortschreibung basiert auf dem bereits 2005 durch die CIMA Stadtmarketing GmbH erstellten Märkte- und Zentrenkonzept für die Stadt Pforzheim. Mit der Fortschreibung wurde das Datenmaterial aktualisiert und anhand statistischer Daten und Kriterien (u.a. Einzugsgebiet, Bestandsaufnahme, Kaufkraftkennziffern, Angebotssituation, etc.) hat die CIMA die Entwicklungschancen des Einzelhandelsstandortes Pforzheims bewertet.

Aufbauend auf dem Gutachten der CIMA wurde eine Gesamtstrategie zur Steuerung von Einzelhandelsansiedlungen mit zwei Komponenten erarbeitet. Entscheidend ist zum einen das Sortimentsleitbild, das die Innenstadt- und Nahversorgungsrelevanz der verschiedenen Sortimente definiert (Pforzheimer Sortimentsliste). Verknüpft wird dieses Sortimentsleitbild mit einem Standortkonzept, das die Zulässigkeit von Einzelhandelseinrichtungen standort- und sortimentsbezogen für die Gesamtstadt definiert.